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Postzosterische Neuralgie

Synonym von

Zunächst unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Leistungseinschränkung und Gliederschmerzen, lokaler Juckreiz und Parästhesien mit Auftreten der typischen Zosterbläschen (selten auch ohne Effloreszenz), auch Generalisierung möglich.

Von besonderer Bedeutung ist der Zoster ophtalmicus mit Gefahr des Befalls der Cornea bzw. der Zoster oticus.

Im Rahmen der postherpetischen Neuralgie (die sich im Anschluss entwickeln kann) besteht ein anhaltender, brennender, lokaler Dauerschmerz, dazu kommen spontane intermittierende, kurze landzinierende Episoden, bzw. eine lokale Dysästhesie mit ausgeprägter Allodynie und Hyperpathie.
Häufig Malignome und/oder Immunsuppression in der Anamnese, die Häufigkeit nimmt mit dem Lebensalter deutlich zu.
Gefährlich im Gesichtsbereich ist das Übergreifen auf die Cornea mit Erblindungsgefahr.
– Klinischer Verlauf, Schmerzanamnese, Hautveränderungen.
– Senkungserhöhung, Virus KBR bzw. PCR im Serum, eventuell im Liquor
– Neurologische, dermatologische, augenärztliche und HNO-Konsiliar-Untersuchung
– Andere Hauterkrankungen
– Arteriitis temporalis
– Rheumathische Schmerzen
– Neuritiden bzw. Radikulitiden anderer Ursache

Akuttherapie:
– Gabe von Gluccocorticoiden, z.B. 50 mg Prednisolon täglich für 10 Tage, dann ausschleichen (Cave: immunsupprimierte Patienten!)
– Lokalanästhetika wie Procain, Bupivacain etc. i.v.,
– s.c. Infiltration, Blockaden im peripheren Nervensystem.
– Einfache Analgetika sind ineffektiv, die Opioidwirkung ist nicht ausreichend untersucht.
– Maßgeblich ist die Gabe von Virostatika wie Aciclovir (p.o. 5 x 200-800 mg/Tag bzw. i.v. 3 x 5-10 mg/kg Körpergewicht, 5-10 Tage Dauer oder Famciclovir 3 x 500 mg/Tag über 5 Tage oder Valaciclovir 3 x 1000 mg 3-6 Tage)oder Brivudin

Durch Virostatika kommt es möglicherweise auch zur Prävention der postherpetischen Neuralgie.

Therapie der Neuralgie:
– Tricyklische Antidepressiva, insbesondere Amitriptylin 10-75 p.o. mg/Tag, aber auch Desimipramin und Maprotilin etc. sind wirksam.
– Antiepileptika, insbesondere Carbamazepin (bis 1200 mg/Tag) und Valproinsäure(bis 1500 mg/Tag) werden häufig eingesetzt, keine übereinstimmend positiven Berichte; in letzter Zeit wird Gabapentin favorisiert (bis 3600 mg p.o., gut verträglich und wirksam).
– Einfache Analgetika sind wirkungslos, Opioide in der Therapie noch nicht endgültig gesichert, aber eine Therapieoption.
– Möglich ist ferner die systemische Verabreichung von Lokalanästhetika (Lidocain 5 mg/kg Körpergewicht i.v.), NMDA-Antagonisten wie Amantadin, eventuell auch Baclofen 10-50 mg/Tag.
– Percutane Therapieversuche mit Lokalanästhetika und Capsaicinsalben (0,075%) werden zwar verwendet, haben sich aber nicht durchgesetzt.

Ergänzende Therapie:
Bei länger anhaltenden postzosterischen Neuralgien nach Abheilung der Bläschen Ultraschallbehandlung im Segment und besonders im ganglionnahen Bereich oder Längsdurchflutung des Segments mit galvanischen oder mit diadynamischen Strömen (Elektroden über Wirbelsäule und im Schmerzbereich).

P. Wessely,
Universitätsklinik für Neurologie Wien

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