Arten der Schmerzbehandlung

Akupunktur

Die Akupunktur nimmt über Akupunkturpunkte Einfluss auf die körpereigenen Regulationsmechanismen. Ziel ist es, unter Berücksichtigung der Ordnungssysteme der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) - der Dualität von Yin und Yang sowie den fünf Wandlungsphasen - über Gegenregulation und Ausregulieren von Störeinflüssen, den Organismus in einem dynamischen Gleichgewicht zu halten.

Die Akupunkturpunkte liegen auf Meridianen, d.h. Verbindungslinien all jener Punkte, die therapeutisch ähnliche Wirkung haben. Es gibt zwölf symmetrisch verlaufende Meridiane, die die Körperoberfläche in Längssegmente teilen.

Vier aufeinander folgende Meridiane bilden einen Energiekreislauf. Je ein Yin- und ein Yang-Meridian bilden einen Funktionskreis, in dem es ständig zu Wechselwirkungen, Ausgleich und Gegenregulierung kommt. Ein Funktionskreis umfasst die Funktion der inneren Organe, die Reflexion dieser Funktion an der Körperoberfläche und alle Interaktionen mit den gekoppelten Meridianen. 

Zwei der zwölf Meridiane können nicht genau einem Organ zugeordnet werden, sie gelten als funktionelle Meridiane.

Den anderen zehn Meridianen ist ein inneres Organ zugeordnet: fünf Organe entsprechen dem Yin und werden als Speicherorgane bezeichnet, fünf Organe entsprechen dem Yang, sie werden als Hohlorgane bezeichnet.

Funktion der Speicherorgane ist es, lebenswichtige Substanzen zu bilden oder zu speichern, die der Hohlorgane liegt in der Nahrungsaufnahme, Resorption und Ausscheidung nicht verwertbarer Substanzen.

Yin Meridiane:

  • Lungenmeridian
  • Kreislauf/Sexualität-Meridian
  • Herzmeridian
  • Milz/Pankreas-Meridian
  • Lebermeridian
  • Nierenmeridian

Yang Meridiane:

  • Dickdarmmeridian
  • Dreifacher-Erwärmer-Meridian
  • Dünndarmmeridian
  • Magenmeridian
  • Gallenblasenmeridian
  • Blasenmeridian

Yin und Yang

Das Prinzip von Yin und Yang geht zurück auf die klassische chinesische Philosophie, wonach jedem Phänomen des Universums die Dualität zweier in ihrem Wesen verschiedener Aspekte zugrunde liegt. Die Pole Yin und Yang sind keine Gegensätze, sondern zwei Aspekte eines Ganzen, die sich in permanenter Wechselwirkung befinden und in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen müssen. Je ausgeprägter der Gegensatz zwischen beiden Polen, desto größer die Spannung, die nach einem Ausgleich ruft. 

Akupunkturpunkte

Es sind 361 klassische Akupunkturpunkte bekannt, sie liegen auf den Meridianen und haben teils lokale, teils den gesamten Meridian betreffende oder sogar systemische Wirkung.

Bergsmann bezeichnete die Akupunkturpunkte als „Fenster zum Grundsystem", das über die Setzung von Nadeln an der Hautoberfläche erreicht und beeinflusst werden kann.

Wirkmechanismen der Akupunktur

In der Akupunkturtherapie können vier wesentliche Ergebnisse erzielt werden:

  • nervös-reflektorische Wirkung

Eine hochfrequente elektrische Stimulation eines Akupunkturpunktes führt vor allem an der ersten Umschaltstelle, d.h. im Hinterhornneuron des Rückenmarks zu einer deutlichen Hemmung der nociceptiven Entladung. Akupunktur-Analgesie ist das Ergebnis der zentralen neuralen Interaktion oder Integration zwischen nociceptiven Schmerzimpulsen und den Inputs durch die elektrische Stimulation. 

  • humoral-endokrine Wirkung

Eine niederfrequente Elektrostimulation und Akupunkturstimulation führen zu einer komplexen Aktivierung der endogenen antinociceptiven Systeme. Die Impulse aktivieren schmerzmodulierende Systeme im kaudalen Hirnstamm, Hypothalamus, Nucleus caudatus und vielleicht auch im Cortex. Die Schmerzhemmung kommt durch absteigende Bahnen des Rückenmarks zustande. 

  • Durchblutungsparameter

Wird eine Nadel in einen Akupunkturpunkt eingestochen, so kann sehr bald ein roter Hof um die Nadel sowie eine Erhöhung der Temperatur um ein bis zwei Grad gegenüber der umgebenden Haut beobachtet werden. Die verbesserte Durchblutung wird nicht nur um die Nadel, sondern auch im Zielgebiet der Therapie beobachtet. 

  • Einflüsse auf die Muskulatur

Der Nadeleinstich in einen verspannten Muskel bewirkt nach einiger Zeit eine Tonusabnahme. Der Einfluss auf die Muskulatur kann durch einen direkten Nadelstich, aber auch durch die Nadelung eines entfernten Akupunkturpunktes ausgelöst werden. Diese Wirkung erklärt sich aus der muskulären Verschaltung zu Funktionsketten, die den Meridianverläufen entsprechen. Es kommt nie zu einer isolierten Tonusveränderung eines Muskels, sondern immer zur gleichsinnigen Mitreaktion aller Muskeln der betroffenen kinetischen Kette.

Formen der Akupunktur

In der Akupunktur-Therapie wird der therapeutische Effekt durch die Reizsetzung an einem Punkt erzielt. Die Verwendung von Nadeln stellt die am häufigsten verwendete Form der Therapie dar, darüberhinaus existieren zahlreiche Sonderformen.

Nadeltherapie

In der Nadeltherapie ist zu unterscheiden zwischen

  • Stimulation von genau definierten, auf den Meridianen gelegenen Punkten (Körperakupunktur). Die Nadeln werden oberflächlich (bis 12mm) oder tief (mehrere Zentimeter) gestochen. Die Stichtiefe steht dabei in einem Zusammenhang mit der Lokalisation des Punktes sowie mit der gewünschten Reizintensität.
  • Stimulation von Punkten in Somatotopien (Ohrakupunktur, Mundakupunktur): Ohr und Mundhöhle verfügen über ein Reflexzonensystem aller Körperregionen. Die Ohrakupunktur wird häufig bei Schmerzzuständen im Bewegungsapparat angewendet. Es kommt meist zu einer raschen, jedoch nicht sehr anhaltenden Wirkung. 
Infiltration (Pharmaakupunktur)

Mit einer dünnen Kanüle wird an Akupunkturpunkten eingestochen und eine geringe Menge eines Pharmakon (v.a. Lokalanästhetika sowie Homöopathika) injiziert. Bei dieser Methode ist ein fließender Übergang zur Neuraltherapie gegeben.

Lasertherapie

Bei allen Indikationen der Nadelungstherapie (ausgenommen: Akupunktur-Analgesie, Therapie von Paresen) kann statt Nadeln auch ein Lasergerät eingesetzt werden. Verwendet werden Helium-Neon-Laser, die monochromatische Lichtbündel mit einer Wellenlänge von 632 nm aussenden.

Schröpfkopftherapie

Glaskugeln mit einer relativ kleinen Öffnung werden durch Feuer von innen erwärmt und mit einer raschen Bewegung auf die Haut gesetzt, durch die Abkühlung entsteht Unterdruck der die Kugeln an der Haut fixiert. Eine ausgeprägte Relaxation bei schmerzenden und verspannten Muskelgruppen ist die Wirkung.

Wärmetherapie

In dieser Anwendungsform der Akupunkturtherapie stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. In China wird häufig entzündetes Moxakraut verwendet, in unseren Breiten Geräte wie Infrarotapplikatoren. Anwendung findet diese Methode bei Erkrankungen, die einer Tonisierung bedürfen wie chronische Krankheitsbilder, Schwächezustände und Hypofunktionen.

Indikationen von Akupunktur

  • Funktionell-vegetative Syndrome
  • Psychische Störungen
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Kopfschmerzen
  • Erkrankungen des HNO-Bereiches
  • Erkrankungen des Respirationstraktes
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Gastrointestinale Erkrankungen
  • Urogenitale Erkrankungen, hormonelle Störungen
  • Hauterkrankungen
  • Neurologische Erkrankungen

Wirkungen der Akupunktur bei Erkrankungen des Bewegungsapparates

  • Funktionelle Veränderungen:

bei Schmerzen durch Muskelhartspann und Fehlhaltung ohne morphologische Veränderungen kann in über 75% der Fälle Beschwerdefreiheit erzielt werden.

  • Morphologische Veränderungen:

bei fassbaren morphologischen Veränderungen infolge von Degeneration kann die Akupunktur nur als additive Therapieform zur Anwendung kommen. Die Degeneration selbst kann nicht beeinflusst werden, jedoch kommt es zur Normalisierung des Muskeltonus, zu besserer Durchblutung und Schmerzlinderung. Es bessert sich in der Folge die Gesamtfunktion, die Chronizität kann verhindert oder hintangehalten werden

Kontraindikationen der Akupunktur

Schwere Gerinnungsstörungen stellen eine Kontraindikation bei Akupunkturbehandlungen dar, während eine Therapie mit Antikuagulantien eine relative Kontrainidkation darstellt. Vorsicht geboten ist in der Schwangerschaft, hier sollte sowohl die Nadelung von hormonell aktiven als auch lumbosakralen und abdominellen Punkten unterbleiben.